Projektbeschreibung
Der neue Geh- und Radwegsteg über den Seeblickweg in Stuttgart wurde in Holz-Beton-Verbundbauweise errichtet. Das zweifeldrige Tragwerk mit Spannweiten von jeweils etwa 34 m verbindet Holzträger mit einer mehrlagig carbonbewehrten Betonplatte.
Zur Untersuchung des Tragverhaltens wurden zwei verteilte faseroptische Sensoren direkt in die Betonplatte eingebettet. FOLAB begleitete das Absenken der Schalung mit hochaufgelösten Dehnungsmessungen. Dadurch konnten die Entstehung neuer Risse, die Entwicklung ihrer Rissbreiten und das Schließen vorhandener Mikrorisse räumlich und zeitlich nachvollzogen werden.
Bauwerk
Geh- und Radwegsteg über den Seeblickweg in Stuttgart; zweifeldrige Holz-Beton-Verbundbrücke
Ausführungszeitraum
08.2023–04.2026
Monitoringursache
Erfassung der Dehnungs- und Rissentwicklung
Bauteil
Carbonbewehrte Betonplatte des Überbaus
Sensoren
EpsilonSensor Ø 3 mm, Hersteller: Nerve-Sensors
Länge von Sensoren
Jeweils ca. 74 m Messlänge; insgesamt ca. 148 m
Installationsart
Einbettung zwischen zwei Lagen der Carbontextilbewehrung vor der Betonage
Messungen und Messverfahren
Funktionsprüfung vor der Betonage; Referenz- und baubegleitende DFOS-Messungen auf Basis der Rayleigh-Rückstreuung; Begleitung von Belastungsfahrten
Rissentwicklung während des Absenkens der Schalung verfolgen
Das Absenken der Schalung stellt einen wichtigen Bauzustand dar: Mit der schrittweisen Lastübernahme durch das Tragwerk verändern sich die Dehnungen und gegebenenfalls auch das Rissbild. Am Steg Seeblickweg wurden diese Veränderungen entlang zweier in Brückenlängsrichtung angeordneter Messlinien erfasst.
Die Sensoren wurden zwischen den Textilbewehrungslagen befestigt und anschließend einbetoniert. Geschützte Anschlussleitungen führen zu einem Messkasten. Am 9. Juli 2024 wurde das Absenken der Schalung messtechnisch begleitet. Eine Referenzmessung vor Beginn der Arbeiten bildete die Grundlage für die Auswertung. Die ortsaufgelösten Dehnungsprofile ermöglichten es, die Reaktion der Betonplatte den einzelnen Arbeitsschritten zuzuordnen und lokale Rissbildungen zu erkennen.
Im Verlauf des Absenkens wurden an den Übergängen zwischen Widerlagern und Betonplatte sowie im Bereich der Mittelstütze Risse und Mikrorisse festgestellt. In den Feldbereichen wurde zugleich das Schließen vorhandener Mikrorisse beobachtet. Die Rissbreitenberechnungen wurden kalkuliert.

Belastungsfahrten mit einem 7,5-t-Servicefahrzeug
Am 8. April 2026 erfolgte eine weitere Messkampagne. Beide einbetonierten Sensoren waren nach rund 21 Monaten weiterhin uneingeschränkt funktionsfähig. Zunächst wurden die Dehnungsänderungen gegenüber dem Referenzzustand vom Juli 2024 erfasst.
Anschließend wurden vier Überfahrten mit einem LKW mit einem Bruttogesamtgewicht von 7,5 t und einem Achsabstand von 3,30 m durchgeführt. Das Fahrzeug wurde jeweils kurz in der Mitte der beiden Brückenfelder angehalten, um die Bauwerksreaktion auch bei definierter Lastposition zu erfassen. Eine unmittelbar zuvor aufgenommene Referenzmessung ermöglichte es, die zusätzlichen Dehnungen und Rissbreitenänderungen infolge der Fahrzeugbelastung getrennt von den langfristigen Veränderungen auszuwerten.
Die zusätzlichen Rissbreitenänderungen infolge der Belastungsfahrten betrugen maximal etwa 15 µm beziehungsweise 0,015 mm. Nach der Entlastung bildeten sich die gemessenen Veränderungen zurück. Die Untersuchung dokumentierte damit ein reversibles Verhalten unter der aufgebrachten Fahrzeugbelastung.
Die Kombination aus baubegleitenden Messungen, wiederholter Zustandserfassung und gezielten Belastungsfahrten liefert eine Grundlage für die Bewertung der innovativen Verbundkonstruktion. Weitere Folgemessungen sollen die Entwicklung des Tragwerks über einen längeren Zeitraum nachvollziehbar machen.
Weitere Informationen
s. auch Beitrag: Frede, J.; Zdanowicz, K.; Krämer, T.; Olfers, V.; Andelfinger, J.; Rempel, S. (2026) „Untersuchungen zur Rissbreite einer integralen Holz-Carbonbeton-Verbundbrücke: Brückenmonitoring mit verteilten faseroptischen Messungen”. Beton- und Stahlbetonbau 121, H. 7, S. 564–575.: LINK
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